Der versteckte Preis falscher Führung
Jede dritte Kündigung geht laut EY Jobstudie 2025 auf das Konto der direkten Führungskraft. Der Fachkräftemangel beginnt nicht am Arbeitsmarkt – er beginnt im eigenen Haus. Ein Geschäftsführer, der nachts Icon-Sets designte statt zu führen, zeigt exemplarisch: Das teuerste, was ein Unternehmen hat, ist eine Führungskraft, die nicht weiß, wie Führung funktioniert.
Der blinde Fleck auf der Chefetage
Boris Zander, Geschäftsführer der seal Media GmbH, saß nachts um zwei vor seinem Rechner und designte Icon-Sets für die eigene Software. Nicht, weil es niemand anderes konnte. Sondern weil er überzeugt war, es schneller selbst zu erledigen.
Was nach besonderem Einsatz aussieht, ist oft ein unbewusstes Führungsmuster, das auf Dauer zum Problem wird. Viele Führungskräfte arbeiten operativ mit, greifen ein, korrigieren, entscheiden selbst und ziehen Verantwortung immer wieder zurück an sich. Oft bemerken sie dieses Verhalten nicht einmal, halten es für normal, notwendig oder sogar für gute Führung – und erkennen nicht, was sie damit im Team anrichten. Genau das ist der gefährliche blinde Fleck.
Der Rückzug von Mitarbeitenden beginnt leise
Die Folgen zeigen sich selten sofort – aber sie zeigen sich. Wenn Verantwortung immer wieder zurück zur Führungskraft wandert, zieht sich das Team Schritt für Schritt zurück. Mitarbeitende sichern sich ab, statt mitzudenken, und machen eher das Nötige als das Mögliche. So entsteht ein Gefühl fehlender Wirksamkeit und mit ihm schwindet auf Dauer auch die Bindung zum Unternehmen. Hier beginnt der versteckte Preis falscher Führung: sinkende Bindung, innere Kündigung und am Ende oft der tatsächliche Verlust von Mitarbeitenden.
Laut Gallup Engagement Index 2025 kostet mangelnde Mitarbeiterbindung die deutsche Wirtschaft jährlich bis zu 142 Milliarden Euro. Das sind keine abstrakten Statistiken. Das sind Mitarbeitende, die innerlich bereits gekündigt haben, während die Führungskraft glaubt, alles im Griff zu haben. Was dabei oft als Motivationsproblem im Team gelesen wird, ist in Wahrheit ein Führungsproblem.
Führung ist kein Instinkt
Viele Führungskräfte unterliegen einem Irrtum, der teuer werden kann: Sie halten gute Führung für eine natürliche Folge von Erfahrung, Durchsetzungsstärke und fachlicher Kompetenz. Wer lange genug in einer Führungsposition ist, so die Annahme, werde Menschen schon richtig führen. In der Praxis zeigt sich jedoch etwas anderes: Gute Führung entsteht nicht von selbst.
„Gut gemeint und gut gemacht sind halt zwei unterschiedliche Dinge. Führungskräfte wirken dann, wenn sie ein System schaffen, das ohne sie Wirksamkeit erzielt, statt dass sie beschäftigt selber Wirksamkeit erzielen“, sagt Dr. Frederik Hümmeke, Neurowissenschaftler, Wirtschaftsphilosoph und SPIEGEL-Bestsellerautor.
Für Boris Zander begann die Veränderung mit einer unbequemen Erkenntnis: Nicht sein Team war das Nadelöhr, sondern er selbst. Genau das übersehen viele Führungskräfte. Denn was sich im Team ändern soll, muss zuerst in der Führung anders werden. Mit Unterstützung der Leaders Academy arbeitete Boris deshalb gezielt an seinem Führungsverhalten. Dadurch blieb Verantwortung wieder stärker im Team, Delegation wurde verbindlicher und Feedback präziser.
Wenn Führung wieder Wirkung entfaltet
Was diese Veränderung bewirkte, zeigte sich nach und nach im Alltag. Mitarbeitende übernahmen mehr Verantwortung, brachten sich aktiver ein und entwickelten eigenständig Lösungen. Für Boris selbst bedeutete das vor allem ein neues Gefühl von Entlastung und Sicherheit – und endlich wieder Raum für Strategie, Führung und unternehmerische Entscheidungen.
Genau darin liegt der Unterschied zwischen operativer Daueranspannung und wirksamer Führung: Gute Führung misst sich nicht daran, wie oft eine Führungskraft eingreifen muss, sondern daran, wie viel auch ohne sie funktioniert. Die Frage ist deshalb nicht, ob sich ein Unternehmen Führungsentwicklung leisten kann. Sondern ob es sich leisten kann, weiter darauf zu verzichten.
Mehr zu dem Ansatz hinter Boris’ Veränderung: leaders-academy.com/wenn-fuehrung-wirkt
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